Atem-Achtsamkeit 29 (Tag 339)

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Während der Sammlung zu Beginn des Yoga-Unterrichts sagte meine Lehrerin, daß wir zu unserem Atem Hallo sagen und ihn wie einen guten Freund begrüßen sollten. Dazu gehöre auch, ihn zu lassen, wie er gerade in diesem Augenblick sei. Einen guten Freund würden wir ja auch lieben, wie er gerade sei.

Und ich erinnerte mich an eine Phase einige Wochen zuvor, als mein Hb-Wert sehr niedrig gewesen war und demzufolge jede Treppe oder Steigung eine extreme Anstrengung bedeutete. War ich oben angekommen, schnaufte ich jedesmal wie ein Walroß.

Ein neunzigjähriges Walroß.

Ich habe meinen Atem gehaßt dafür, mir meine schlechte körperliche Verfassung so deutlich gespiegelt zu haben.

Joghurt-Achtsamkeit 6 (Tag 332)

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Auf dem Weg zum Yoga-Unterricht begegne ich einer alten Frau, die, mutmaßlich als Folge knöchernen Deformationen ihrer Füße, fast ausschließlich auf den Außenkanten ihrer Füße geht.

Ich beobachte sie und frage mich, wie es sich wohl anfühlt, auf diese Weise gehen zu müssen. Gleichzeitig bin ich mir plötzlich meiner eigenen Füße überdeutlich bewußt.

Obwohl ich doch auch vor unserer Begegnung schon gegangen bin.

Das In-sich (Tag 331)

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„Es ist das Beste im Leben,

daß jeder alles in sich selbst hat:

sein Schicksal, seine Zukunft, seine ganze Weite und Welt.

Nun gibt es freilich Momente,

wo es schwer ist, in sich zu sein und innerhalb des eigenen Ichs auszuhalten;

es geschieht, daß man gerade in den Augenblicken, da man fester und –

fast müßte man sagen –

Eigensinniger denn je an sich festhalten sollte,

sich an etwas Äußeres anschließt,

während wichtiger Ereignisse

den eigenen Mittelpunkt

aus sich heraus in Fremdes,

in einen anderen Menschen verlegt.

Das ist gegen die allereinfachsten

Gesetze des Gleichgewichts,

und es kann nur Schweres dabei

herauskommen.“

Rainer Maria Rilke